Archiv für den Monat: Juli 2005

Rumänien: Endgültiges Ende für Turda – Abrud?

http://www.lok-report.de/


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galerien/oooAbrud-04.06.2005.jpg

Nachdem in den letzten Wochen aufgrund des Rechtsstreites zwischen SAAF und Tunele Brasov die Zahnradbahn Hateg – Boutari abgebaut wurde, droht nun der Schmalspurbahn Turda – Abrud aus dem selben Grunde nun das endgueltige Aus. Dies ist deshalb sehr schade, da voriges Jahr unter großem Aufwand der Abschnitt Campeni – Abrud wieder instandgesetzt wurde und bereits etliche Sonderfahrten durchgeführt wurden.
Als Anhang ist auch das Schreiben zu sehen, in dem der beeidete Gerichtsvollzieher des Bezirkes Alba der SAAF und der Firma Tunele Brasov den Sachverständigen nennt, der die Strecke zwecks Verwertung als Alteisen schätzen soll. Dieser hat die Strecke bereits am Montag, 25. Juli 2005 begutachtet.
Der Bezirkshauptmann von Alba hat beim Transportministerium einen Antrag zur Rettung der Strecke eingebracht (Georg Hocevar, 30.07.05).

Rumänendiesel in Oberwiesenthal

http://www.eisenbahn-kurier.de/

Am 27. Juli 2005 traf nach Abschluss der in der Marienberger BVO-Werkstatt ausgeführten Hauptuntersuchung die ehemals von der Mitteldeutschen Bahnreinigungsgesellschaft (BRG) für den Einsatz auf der Weißeritztalbahn in Oberschlesien erworbene Lxd2-358 in Oberwiesenthal ein, wo sie voraussichtlich unter der neuen Betriebsnummer L45H 358 in Kürze ihre Probefahrten absolvieren wird. Die Lok erhielt im Rahmen der seit Dezember 2004 andauernden Hauptuntersuchung einen bordeauxroten Lack, der an die Reichsbahn-V 100-Lackierung angelehnt ist. Die Abholung der Lok aus Hammerunterwiesenthal, wo sie mit dem Tieflader der …

Weißeritztalbahn

http://www.sz-online.de/nachrichten/
base.asp?ausgabe=310&etag=29.07.2005

Die Sonderfahrten mit der Weißeritztalbahn werden wieder aufgenommen. Wie die gleichnamige Interessengemeinschaft in Freital mitteilte, rollt die Schmalspurbahn an diesem Wochenende wieder auf dem Abschnitt zwischen Dippoldiswalde und Seifersdorf. Abfahrt in Dippoldiswalde: 10.40, 12.40, 14.40, 16.40 Uhr, Rückfahrt ab Seifersdorf : 11.20, 13.20, 15.20 und 17.20 Uhr.

Ergänzung:
Weitere Termine sind:
13. und 14. August 2005

Ursache für Zugunglück in Bramberg geklärt

http://www.kleine.at/nachrichten/chronik/
artikel/_713841/index.jsp

Der Grund für das Zugunglück in Bramberg, bei dem am 2. Juli zwei Menschen getötet und 34 weitere zum Teil schwer verletzt worden sind, ist geklärt: Der Lokführer des von Krimml Richtung Zell am See fahrenden Zuges hätte in Bramberg warten müssen, bis die entgegenkommende Garnitur der Pinzgaubahn im Bahnhof eingetroffen ist.
Peter Urbanek von der Unfalluntersuchungsstelle „Fachbereich Schiene“ im Verkehrsministerium bestätigte am Mittwoch gegenüber der APA einen so lautenden Bericht der „Kronen-Zeitung“. Der Lokführer, der den Zug Richtung Zell am See gesteuert hatte, überlebte den Unfall. Er lag aber mit schweren Verletzungen einige Tage im künstlichen Tiefschlaf. Laut Medienberichten war er am Tag des Unglücks für einen anderen Kollegen eingesprungen. Er soll sich den vergangenen Jahren für den Erhalt der Pinzgaubahn eingesetzt haben.
In den Trümmern des Zuges hatten die Experten auch das Zuglaufblatt gefunden, auf dem festgelegt wird, wo und wann der Lokführer mit dem …

Berliner Parkeisenbahn: Gemeinschaft, die verbindet

http://morgenpost.berlin1.de/content/
2005/07/23/ttt/768321.html

Die Berliner Parkeisenbahn an der Wuhlheide wird von Jugendlichen betrieben
Von Annett Kosche

„Willkommen am Hauptbahnhof.“ Professionell begrüßt Aufsicht Thomas Seidler (12) die Gäste an der Wuhlheide 189. Die Berliner Parkeisenbahner im Alter von elf Jahren an können sich durchaus an den Kollegen von der großen Bahn messen lassen. Sie überzeugen durch Freundlichkeit, Service und vor allem Pünktlichkeit. Der Fahrplan wird eingehalten, doch Zeit für eine nette Einladung bleibt: „Möchten Sie noch mit? Der nächste Zug kommt in 15 Minuten.“ Der Gast will zunächst ein paar Souvenirs erstehen, und so fertigt Thomas den Zug ab, eilt zum Schrankenwärterhäuschen zurück. Heute, aber „das ist eine Ausnahme“, ist der junge Mann im Range eines Zugführers auch verantwortlich, die Schranke zu schließen und zu öffnen. Kollege Daniel Wätzig (20), der nach neun Jahren bei der Parkeisenbahn mittlerweile Ausbilder ist, prüft gerade den Nachwuchs aus dem Grundkurs. Bei Erfolg übernehmen sie künftig die Schranke. 170 Parkeisenbahner im Alter von elf bis 40 Jahren halten zu 90 Prozent ehrenamtlich den Betrieb der Kinder- und Jugendeisenbahn aufrecht. Zehn Mädchen sind dabei. Da Fußballspieler oder Astronaut den Lokführer von der Liste der Traumberufe verdrängt haben, fehlt männlicher Nachwuchs für die unzähligen Aufgaben an der siebeneinhalb Kilometer langen Strecke, auf den sieben Bahnhöfen, im Bahnbetriebswerk oder bei den …

Pinzgaubahn

http://salzburg.orf.at/stories/47012/

Hochwasserschutz statt Pinzgaubahn?
Innergebirg gebe es nicht viele Einheimische, die für den Wiederaufbau der vom Hochwasser zerstörten Pinzgau-Bahn seien. Geld solle in zukunftsträchtige Projekte investiert werden, sagt Franz Meilinger vom Oberpinzgauer Wasserverband.

Gibt Hochwasser der Bahn den Rest?
Zuerst der Frontalzusammenstoß mit zwei Toten und 34 Verletzten und dann die große Flut, die an Geleisen rund sieben Millionen Euro Schaden angerichtet hat:

Die Schmalspurbahn von Zell am See nach Krimml wurde innerhalb weniger Tage gleich von zwei schweren Schicksalsschlägen getroffen.

Als „Nationalpark-Bahn“ beworben
Wilfried Haslauer (ÖVP), Verkehrs- und Tourismus-Referent des Landes, will die Krimmlerbahn unter allen Umständen wieder aufbauen lassen.

Er argumentiert auch mit deren Funktion als Attraktion für Touristen, Bergwanderer und Radfahrer, die sie für An- oder Abreise benutzen. Doch viele Menschen im Oberpinzgau haben die Bahn offenbar schon abgeschrieben.

Franz Meilinger, Obmann des Oberpinzgauer Wasserverbandes und ehemaliger Bramberger Vizebürgermeister, sagt, dass von der Bevölkerung …

Gemeinschaft, die verbindet

http://morgenpost.berlin1.de/content/
2005/07/23/ttt/768321.html

Die Berliner Parkeisenbahn an der Wuhlheide wird von Jugendlichen betrieben
Von Annett Kosche

„Willkommen am Hauptbahnhof.“ Professionell begrüßt Aufsicht Thomas Seidler (12) die Gäste an der Wuhlheide 189. Die Berliner Parkeisenbahner im Alter von elf Jahren an können sich durchaus an den Kollegen von der großen Bahn messen lassen. Sie überzeugen durch Freundlichkeit, Service und vor allem Pünktlichkeit. Der Fahrplan wird eingehalten, doch Zeit für eine nette Einladung bleibt: „Möchten Sie noch mit? Der nächste Zug kommt in 15 Minuten.“ Der Gast will zunächst ein paar Souvenirs erstehen, und so fertigt Thomas den Zug ab, eilt zum Schrankenwärterhäuschen zurück. Heute, aber „das ist eine Ausnahme“, ist der junge Mann im Range eines Zugführers auch verantwortlich, die Schranke zu schließen und zu öffnen. Kollege Daniel Wätzig (20), der nach neun Jahren bei der Parkeisenbahn mittlerweile Ausbilder ist, prüft gerade den Nachwuchs aus dem Grundkurs. Bei Erfolg übernehmen sie künftig die Schranke. 170 Parkeisenbahner im Alter von elf bis 40 Jahren halten zu 90 Prozent ehrenamtlich den Betrieb der Kinder- und Jugendeisenbahn aufrecht. Zehn Mädchen sind dabei. Da Fußballspieler oder Astronaut den Lokführer von der Liste der Traumberufe verdrängt haben, fehlt männlicher Nachwuchs für die unzähligen Aufgaben an der siebeneinhalb Kilometer langen Strecke, auf den sieben Bahnhöfen, im Bahnbetriebswerk oder bei den Fernmeldetechnikern. Die Berliner Schmalspurbahn ist auch Museumsbahn. So gibt es in zwei Lokschuppen und den Wagenhallen an 75 Fahrzeugen viel instandzusetzen.
Ein Kurssystem bereitet auf all die Aufgaben vom Streckenläufer bis zum Wagenmeister oder Lokführer vor. Im Winter wird Theorie gebüffelt, von März bis Oktober der Dienst am Fahrgast (62 000 pro Jahr) erbracht.
Mindestens jedes zweite Wochenende ziehen sich die jungen Leute die Uniform aus Pioniereisenbahntagen an. 1956 in der DDR gegründet, sicherten die Vereine Schmalspurbahn-Freunde Berlin und Dampf-Kleinbahn Mühlenstroth 1993 das Bestehen der Berliner Parkeisenbahn als gemeinnützige Gesellschaft und so den Erhalt eines Projekts, das sich vor allem mit Fahrgeldeinnahmen finanziert. Lediglich einen öffentlichen Zuschuß von 15 000 Euro im Jahr gibt es für eine halbe Stelle „Jugendarbeit“. Mit fortschreitender Ausbildung werden die Tätigkeiten anspruchs- und verantwortungsvoller. Die Jugendlichen sind sich der Verantwortung bewußt, ist doch die Parkeisenbahn ein Verkehrsunternehmen mit allen gesetzlichen Auflagen und Vorschriften. Die strenge Hierarchie, die ein Bahnbetrieb erfordert, nehmen sie mit Respekt vor den Dienstgraden ernst. Der Weg auf der Karriereleiter ist Ansporn für das eigene Handeln. Die Erfahrungen geben Rüstzeug für das Leben.
Stolz erzählt Tobias Golla (18), frisch geprüfter Bahnhofsleiter, von seinem Ausbildungsplatz bei der Bahn: „Von zwölf Azubis in meinem Jahrgang sind drei Parkeisenbahner.“ Eine Gemeinschaft, die verbindet. In der Pubertät ging Ralf Bendix (20), Leiter des Hauptbahnhofes, das Interesse „mal verloren“. Nach zwei Jahren zog es den künftigen Einzelhandelskaufmann zurück an die Strecke, um sich auch in der Freizeit weiterzubilden: „Parkeisenbahn ist viel mehr, als man als Kind versteht.“ Fragen von Mitschülern wie „Bist Du immer noch bei der komischen kleinen Bahn?“ quittiert er mittlerweile mit einem coolen „Na klar“. Selbstbewußtsein lernt ein Parkeisenbahner auch.
Gern erklären sie Rang und Abzeichen, weisen den Weg zu Freilichtbühne oder Badesee. Steigen Freunde, Familie und Arbeitskollegen zu, sei das Bestätigung, daß „die Zeit für das ausgefallene Hobby in die Jugend gut investiert ist“, sagt Lokführer Steven Dallmann (18). Neben allem technischen Interesse – die Verantwortung füreinander ist den Parkeisenbahnern besonders wichtig.
Liebe Leser, wer Parkeisenbahner werden will, erfährt mehr unter Tel.: 538 92 60 oder im Netz unter www.parkeisenbahn.de. Dort steht auch der Fahrplan. Kinder bis 14 Jahre zahlen 1,50, Erwachsene 2,50 Euro für eine Rundfahrt.

Molli: Mit Volldampf ins Wasser

http://www.zeit.de/2005/30/Meer_2fLokf_9fhrer


Bild von:
http://zeus.zeit.de/bilder/2005/30/reise/lokfuehrer_280.jpg

Aribert Weihrauch, 52, und Karsten Schultz, 44, lassen den »Molli« rollen

Von Thomas Gebhardt

Sie sind immer zu zweit auf dem Bock. Links Weihrauch, dem bei diesem Namen nur zwei Möglichkeiten der Berufswahl blieben: Priester oder Heizer einer Dampflok. Rechts Schultz, dessen Weg auch vorgezeichnet war. Schließlich arbeitete schon sein Großvater als Lokführer beim Molli, und die Mutter hat im Bahnhof Kühlungsborn-West die Fahrkarten verkauft, während Karsten zu Hause mit der Modelleisenbahn spielte und sein Schaffner-Täschchen mit der grün-roten Kelle schnappte, wenn er die Mutter abholte. Also ging auch Karsten Schultz später zur Mecklenburgischen Bäderbahn, im Volksmund Molli, die auf immerhin 15,4 Kilometer Strecke zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn fährt, und wurde Lokführer.
Schultz gibt Dampf auf den Kolben, derweil Aribert Weihrauch oberschlesische Steinkohle ins rot glühende Feuerloch schippt. Die mehr als 70 Jahre alte Lok seufzt, schnauft und stöhnt. Weiße Schwaden wabern übers Bahnhofsgelände von Kühlungsborn, als würde eine Bühne für den Auftritt der Stars vernebelt. Man sieht, riecht und hört, wie 460 Pferdestärken ihre Kräfte sammeln. Ein gellender Pfiff, schon setzt sich die Maschine fauchend …

Mit Volldampf ins Wasser

http://www.zeit.de/2005/30/Meer_2fLokf_9fhrer


Bild von:
http://zeus.zeit.de/bilder/2005/30/reise/lokfuehrer_280.jpg

Aribert Weihrauch, 52, und Karsten Schultz, 44, lassen den »Molli« rollen

Von Thomas Gebhardt

Sie sind immer zu zweit auf dem Bock. Links Weihrauch, dem bei diesem Namen nur zwei Möglichkeiten der Berufswahl blieben: Priester oder Heizer einer Dampflok. Rechts Schultz, dessen Weg auch vorgezeichnet war. Schließlich arbeitete schon sein Großvater als Lokführer beim Molli, und die Mutter hat im Bahnhof Kühlungsborn-West die Fahrkarten verkauft, während Karsten zu Hause mit der Modelleisenbahn spielte und sein Schaffner-Täschchen mit der grün-roten Kelle schnappte, wenn er die Mutter abholte. Also ging auch Karsten Schultz später zur Mecklenburgischen Bäderbahn, im Volksmund Molli, die auf immerhin 15,4 Kilometer Strecke zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn fährt, und wurde Lokführer.
Schultz gibt Dampf auf den Kolben, derweil Aribert Weihrauch oberschlesische Steinkohle ins rot glühende Feuerloch schippt. Die mehr als 70 Jahre alte Lok seufzt, schnauft und stöhnt. Weiße Schwaden wabern übers Bahnhofsgelände von Kühlungsborn, als würde eine Bühne für den Auftritt der Stars vernebelt. Man sieht, riecht und hört, wie 460 Pferdestärken ihre Kräfte sammeln. Ein gellender Pfiff, schon setzt sich die Maschine fauchend in Bewegung. Vorbei an steingewordenen Häuslebauerträumen mit Satellitenschüsseln und Gartenzwergkolonien, vorbei an Feldern von Kornblumen, wildem Mohn und Kamille, die ihre kleinen Häupter wiegen.
Früher haben sie von hier oben immer das Meer gesehen, erzählt Schultz. Nun ist das Küstenwäldchen hoch gewachsen, nur ab und an gibt es den Blick auf die Ostsee frei. »Steilküste« heißt die erste Station auf freiem Feld: Mit Handtüchern und Badeenten im Gepäck, steigen dort viele aus. 50° C und mehr herrschen dann im Führerstand von Schultz und Weihrauch, sieben Zentner Kohle verschlingt die Lokomotive je Fahrt, 1,5 Kubikmeter Wasser atmet sie weg. Einfach so, einmal tief durch.
Am Bahnhof Heiligendamm, der Kempinski-gewordenen weißen Stadt am Meer, sind Touristenkameras in Stellung gebracht, sollen sich Lokführer und Heizer fürs Foto aus dem Fenster lehnen. »Hätten wir für jedes Bild 10 Cent bekommen, wären wir längst Millionäre und könnten uns zur Ruhe setzen«, sagt der 52-jährige Weihrauch. Seit 1973 ist er beim Molli, die ersten drei Jahre beim Gepäck und an der Schranke, seither am 1500 Grad heißen Feuerloch. Ein Traumberuf? »Auch als Millionär würde ich weitermachen, aber etwas kürzer treten!«
Signal hoch, drei Schippen Kohle, und Lok 992322-8 nimmt wieder Fahrt auf, zieht zehn Waggons hinter sich her, auf deren offenen Plattformen Fahrgäste stehen. Ununterbrochenes Bimmeln, weil in Heiligendamm eine Villa auf die andere folgt, damit ein Bahnübergang auf den nächsten. 2007 soll in Deutschlands ältestem Seebad der G8-Gipfel stattfinden und der Molli die Staatschefs kutschieren.
Als Peter Struck einmal im Salonwagen mitfuhr und zur Begrüßung zu Schultz sagte, »Nun machen Sie mal schön vorsichtig, Sie fahren jetzt den Verteidigungsminister«, antwortete der knapp, »Ich fahre immer vorsichtig, und zwar für alle Fahrgäste!« Mehr als 500000 sind es im Jahr, darunter im Sommer viele Kreuzfahrer aus Warnemünde, meist Amerikaner. Der Molli ist eine feste Größe im Sightseeing-Programm: Deutschland, das sind aus nördlicher Perspektive Berlin, Rostock und der Molli. Seit der Badesaison 1886 entfaltet er seine ganze touristische Zugkraft.
In den Instrumenten für Druck und Temperatur tanzen die Zeiger und in den Wasserstandsgläsern die Flüssigkeitssäulen. Sobald der 44-Jährige die Spitze vom Doberaner Münster sieht, lässt er den Zug rollen. Seine »persönliche Rennstrecke«, und auch Weihrauch legt nach – für stramme 40 Stundenkilometer. Vorbei an der ältesten Pferderennbahn Europas, der längsten Lindenallee im Land. Autos überholen, Kinder winken, Weihrauch winkt zurück, per Hand und überhaupt.
Das Publikum entlang der Strecke setzt sich zusammen aus jenen, die gucken, staunen und Filme verknipsen, und jenen, die nicht mal mehr den Kopf heben, aus Urlaubern und Einheimischen. Erst recht in Bad Doberan, wo der Molli als Dampfstraßenbahn durch enge Gassen zuckelt, mitten durch die Fußgängerzone, die Mollistraße, vorbei am türkisch-asiatischen Imbiss Molli und den Souvenir- und Buchläden, deren Auslagen ebenfalls vom Dampfschiff auf Rädern dominiert werden.
Am Bahnhof Bad Doberan treffen 900 mm Schmalspur und 1435 mm Normalspur aufeinander, heavy metal aus den Anfängen des Reisezeitalters hier und moderner Schienenbus am Perron gegenüber. Schultz und Weihrauch bunkern Kohle und Wasser, während neue Passagiere die Waggons für die vierzigminütige Rückfahrt besteigen oder mit Volldampf an den Strand wollen. »Die Einheimischen können auch nicht ohne den Molli«, sagt Schultz, »zu DDR-Zeiten, als wir noch im Berufsverkehr gefahren sind, ist mal der Fünf-Uhr-Zug ausgefallen, da hat halb Doberan verschlafen.«

Mecklenburgische Bäderbahn Molli, Am Bahnhof, 18209 Bad Doberan, Tel. 038203-4150, www.molli-bahn.de, einfache Fahrt: Kinder ab 2,10 Euro, Erwachsene ab 3,20 Euro

(c) DIE ZEIT 21.07.2005 Nr.30